So kommt wirklich Ökostrom aus der Steckdose

Während es in Österreich ein Ökostrom-Gesetz gibt, das die Bezeichnung genau definiert, ist der Begriff “Ökostrom” in Deutschland nicht de jure geschützt. Die Erklärung des Bundesverbands Erneuerbare Energie wird von Umweltschützern als Mogelpackung bezeichnet. So sieht der Verband  elektrische Energie bereits als Ökostrom an, wenn diese mindestens zur Hälfte aus erneuerbaren Energien stammt. Also zum Beispiel aus Sonne, Wind, Wasserkraft oder Erdwärme. Der Rest darf aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen zugeliefert werden, die zwar weniger fossile Brennstoffe benötigen, aber weiterhin klimaschädliches CO2 ausstoßen. Der Verband folgt hier dem Ansatz des Kraft-Wärme-Kopplungsgesetzes (KWKG) und des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG): der Ausstieg aus Kohle, Gas und Kernkraft werde durch die Förderung von Brücken-Technologien beschleunigt.

 

Erneuerbar ist nicht zwingend “öko”

Bei Strom, der zu hundert Prozent aus erneuerbaren Energien stammt, muss man vorsichtig sein. Ein Wasserkraftwerk von den Dimensionen des Drei-Schluchten-Damms in China bedeutet zweifelsohne einen schwerwiegenden Eingriff in die Natur. Sicher vergleichbar folgenreich wie die riesigen Narben, die der Braunkohle-Tagebau im Rheinland und in der Lausitz zurücklassen. Zudem: wie sind Pumpspeicher-Kraftwerke zu beurteilen, wenn das Wasser zunächst hochgepumpt werden muss, bevor es beim Ablaufen die Turbinen antreibt? Obwohl das Wasser im Staubecken eine Möglichkeit darstellt, Energie in großem Stil zu speichern. Aber je nachdem, mit welcher Energiequelle das Wasser zuvor gepumpt wurde, ist das Verfahren seinerseits nicht wirklich ökologisch. Als Ökostrom darf man Strom aus Wasserkraft nur bezeichnen, wenn ein natürlicher Zulauf genutzt wird.

 

Auch Ökostrom kommt aus der Steckdose

Wer schon einmal den Stromanbieter gewechselt hat, wird bestätigen, dass die Umstellung auf den neuen Versorger – abgesehen von ein wenig Papierkram – völlig unbemerkt über die Bühne geht. Wie kann man als Verbraucher sicher sein, dass man tatsächlich den bestellten und vielleicht sogar teurer bezahlten Ökostrom bekommt? Aus der Steckdose kommt in der Tat „derselbe“ Strom wie vorher. Was sich durch eine zunehmende Zahl von Ökostrom-Nutzern ändert, ist der Energiemix, der in das Netz eingespeist wird. Achten Sie beim Abschluss eines Stromliefer-Vertrags auf Zertifizierungen, wie zum Beispiel durch einen TÜV. Solche Zertifizierungen können sich beziehen auf die “Erzeugung der Energie”, aber auch auf den “Einkauf” oder auf den Erwerb sogenannter “Erzeugungs-Zertifikate. Die wichtigsten Naturstrom-Anbieter stellt das Info-Portal “StromKampagne.com” vor. Fakt ist: auch ein zertifizierter Ökostrom-Anbieter kann nicht sicherstellen, dass er zeitgleich mit dem momentanen Verbrauch seiner Kunden genau diese Menge ins Netz einspeist. Man behilft sich hier mit einer mengengleichen Einspeisung über einen definierten Zeitraum, zum Beispiel über ein Jahr. Zu Zeiten mit Spitzenlast muss Strom unbekannter Herkunft zugekauft werden, bei schwacher Nachfrage und günstiger Witterung für Sonnen- oder Windenergie mag dagegen der Ökostrom-Anteil höher sein. Bis auf die letzte Kilowattstunde lässt sich dieser Energiemix ohnehin nicht berechnen, weil im Stromnetz Verluste von fünf bis zehn Prozent immer auftreten. Die Netzbetreiber ersetzen sie durch sogenannten Graustrom, und der beauftragte Energieversorger hat keinen Einfluss auf die Quelle dieser Zulieferung. Ergo: bleiben Sie kritisch und begutachten Sie – vor allem bei langfristigen Lebensentscheidungen – ob gehalten wird was “werblich versprochen” wurde.

Bildurheber: kav777 / 123RF Standard-Bild

Teilen macht Freu(n)de

2 Kommentare

  1. Trichter Antworten

    Sehr gut, vielen Dank für die Informationen. Ich denke es ist wichtig, dass man nachhaltiger wird, gerade auch beim Strom. Sonst nützt es vielen auch nichts, wenn sie sich ein Elektro Auto kaufen, wenn der Strom dann doch aus fossilen Brennstoffen gewonnen wird… 😉 Danke!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.