Ligaro: Nachhaltige Holzleime ohne Erdöl

Holz gilt als einer der wichtigsten nachhaltigen Baustoffe unserer Zeit. Es speichert Kohlenstoff, wächst nach und ersetzt in vielen Bereichen energieintensive Materialien wie Beton oder Stahl. Doch ein oft übersehener Bestandteil moderner Holzprodukte stammt noch immer aus fossilen Quellen: der Leim. Ob Möbel, Spanplatten, Sperrholz oder Holzwerkstoffe – zahlreiche Produkte werden mit Klebstoffen verbunden, die auf Erdöl basieren und teilweise problematische Chemikalien enthalten.

Das Forschungsprojekt Ligaro arbeitet daran, genau das zu verändern. Ziel ist die Entwicklung nachhaltiger Holzleime auf Basis nachwachsender Rohstoffe, die fossile Bestandteile ersetzen und gleichzeitig höchste technische Anforderungen erfüllen. Die Innovation zeigt, dass echter Klimaschutz oft dort beginnt, wo Verbraucherinnen und Verbraucher gar nicht hinschauen. Holz erlebt seit einigen Jahren eine Renaissance. Im Bauwesen entstehen mehrgeschossige Gebäude aus Holz, Möbelhersteller setzen verstärkt auf nachhaltige Materialien und auch Verpackungen bestehen immer häufiger aus Holzfasern oder Zellstoff. Der ökologische Vorteil dieses Werkstoffs ist offensichtlich. Weniger sichtbar bleibt jedoch, dass viele Holzprodukte ohne leistungsfähige Klebstoffe überhaupt nicht hergestellt werden könnten.

Konventionelle Holzleime enthalten häufig synthetische Harze auf Erdölbasis. Diese sorgen für Stabilität, Feuchtigkeitsbeständigkeit und eine lange Lebensdauer. Allerdings gehen ihre Herstellung und teilweise auch ihre Inhaltsstoffe mit Umweltbelastungen einher. Zudem können bei bestimmten Leimsystemen Stoffe wie Formaldehyd freigesetzt werden, deren Einsatz seit Jahren kritisch diskutiert wird. Wer Holz wirklich nachhaltig nutzen möchte, muss deshalb auch die Verbindungstechnik neu denken.

Neue Rezepturen für eine alte Verbindung

Genau hier setzt Ligaro an. Hinter dem Projekt steht ein Forschungsverbund aus Wissenschaft und Industrie, der nachhaltige Klebstoffe entwickelt, ohne dabei Kompromisse bei Qualität oder Belastbarkeit einzugehen. Statt fossiler Rohstoffe sollen biobasierte Ausgangsstoffe zum Einsatz kommen. Diese stammen aus nachwachsenden Ressourcen und können den Anteil erdölbasierter Chemikalien deutlich reduzieren.
Die Herausforderung besteht darin, die besonderen Eigenschaften moderner Holzleime zu erhalten. Sie müssen hohen Temperaturen standhalten, Feuchtigkeit widerstehen und über viele Jahre hinweg stabile Verbindungen gewährleisten. Gerade im Möbelbau oder im konstruktiven Holzbau sind die Anforderungen enorm. Ein nachhaltiger Klebstoff kann sich deshalb nur durchsetzen, wenn er dieselbe Zuverlässigkeit bietet wie etablierte Produkte.

Ligaro verfolgt dafür einen wissenschaftlich fundierten Ansatz. Neue biobasierte Rezepturen werden entwickelt, analysiert und unter realen Bedingungen getestet. Dabei stehen nicht nur die Klebewirkung und Haltbarkeit im Mittelpunkt, sondern auch Umweltverträglichkeit, Ressourceneffizienz und industrielle Herstellbarkeit. Ziel ist es, Lösungen zu schaffen, die sich ohne grundlegende Änderungen in bestehende Produktionsprozesse integrieren lassen. Genau dieser Praxisbezug erhöht die Chancen, dass nachhaltige Holzleime künftig im großen Maßstab eingesetzt werden können. Interessant ist dabei auch die Signalwirkung für die gesamte Werkstoffentwicklung. Viele Innovationen konzentrieren sich auf sichtbare Materialien, während Hilfsstoffe wie Klebstoffe oft unbeachtet bleiben. Dabei entscheiden gerade sie häufig darüber, wie nachhaltig ein Produkt am Ende tatsächlich ist.

Der Weg zur vollständig nachhaltigen Holzindustrie

Der Ersatz fossiler Rohstoffe ist jedoch nur ein Teil der Aufgabe. Biobasierte Leime müssen langfristig verfügbar, wirtschaftlich konkurrenzfähig und in ausreichenden Mengen produzierbar sein. Nachwachsender Rohstoff bedeutet nicht automatisch nachhaltige Produktion. Entscheidend bleibt, woher die eingesetzten Pflanzen oder Biomassen stammen und wie ressourcenschonend sie verarbeitet werden.
Hinzu kommen strenge Sicherheits- und Qualitätsanforderungen. Holzprodukte werden über Jahrzehnte genutzt und müssen dauerhaft stabil bleiben. Neue Klebstoffe durchlaufen deshalb umfangreiche Prüfverfahren, bevor sie im Bauwesen oder in der Möbelindustrie eingesetzt werden können. Forschung benötigt in diesem Bereich Zeit, weil Zuverlässigkeit nicht allein im Labor nachgewiesen werden kann. Dennoch wächst der Druck auf die Industrie, fossile Rohstoffe zu ersetzen. Steigende Anforderungen an Klimaschutz, strengere Umweltvorgaben und das wachsende Interesse an nachhaltigen Produkten schaffen günstige Rahmenbedingungen für Innovationen wie Ligaro. Was heute noch Forschungsarbeit ist, könnte schon in wenigen Jahren zum neuen Standard werden.

Ein kleiner Baustein mit großer Wirkung

Ligaro macht deutlich, dass nachhaltige Innovation oft im Detail beginnt. Ein Holzhaus oder ein Möbelstück wirkt auf den ersten Blick bereits umweltfreundlich. Erst der Blick auf alle verwendeten Materialien zeigt, wie groß das Potenzial weiterer Verbesserungen tatsächlich ist. Nachhaltige Klebstoffe können dazu beitragen, fossile Rohstoffe einzusparen und den ökologischen Fußabdruck von Holzprodukten weiter zu reduzieren.

Die Entwicklung zeigt außerdem, wie wichtig die Zusammenarbeit von Forschung und Industrie für den Klimaschutz ist. Neue Materialien entstehen nicht zufällig, sondern durch wissenschaftliche Erkenntnisse, technisches Know-how und den Mut, bestehende Verfahren grundlegend zu überdenken. Gerade solche unscheinbaren Innovationen könnten langfristig einen erheblichen Beitrag zu einer klimafreundlicheren Wirtschaft leisten.
Wer sich näher über das Forschungsprojekt informieren möchte, findet weiterführende Informationen auf https://ligaro.org/ oder unter https://chemanager-online.com/de/themen/nachhaltige-holzleime/.

Bildurheber: jozefdoma

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