Fadenscheinige Fast Fashion Kleidung auf Kosten von Mensch und Natur

Das Datum 11. September ist weltweit unvergesslich. In Pakistan kommt ihm eine besondere, lokale Bedeutung zu: Hier brannte am 11. September 2012 in Karatschi eine Textilfabrik ab – der größte Industrieunfall der pakistanischen Geschichte mit fast 300 Toten. Spätestens seit dem Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahre 2013 steht die Modeindustrie unter Beobachtung. Während sich Konsumenten über günstige, trendige Modestücke freuen, leiden Mensch und Umwelt.

Früher gab es Winter- und Sommermode. Im Gegensatz zu diesen zwei Kollektionen in der traditionellen Mode bringen Fast Fashion-Marken jede Woche eine neue Kollektion in ihre Läden. Ihnen ist es gelungen, die neusten Laufstegtrends aus Paris innerhalb von wenigen Wochen in ihre Filialen zu bringen. Und das zu Preisen, die sich die meisten leisten können: Im Schnitt kaufen wir ein Kleidungsstück pro Woche – das ist fünfmal mehr als noch vor zwei Jahrzehnten.

Der Großteil unserer Kleidung kommt aus Asien, allen voran China. Je mehr Kleidungsstücke die Menschen in Europa kaufen, so könnte man meinen, desto besser ist es für die wirtschaftliche Lage dieser Länder. Die Modeindustrie bringt Arbeit mit sich (und für manche sogar Wohlstand). Die Realität ist jedoch eine andere: Textilarbeiter weniger als den existenzsichernden Lohn. Bei einem T-Shirt für 29 Euro gehen nur erschreckende 18 Cent an alle Arbeiter, die an der Herstellung beteiligt waren. Neben Unterbezahlungen prägen Überstunden, Kinderarbeit und unsichere Fabrikgebäude die Branche. Da bei der Färbung von Kleidung giftige Chemikalien verwendet werden, ist die Textilfärbung nach der Landwirtschaft der zweitgrößte Wasserverschmutzer. 70% der Seen und Flüsse in China sind mit giftigen Farbstoffen und Chemikalien verunreinigt. Das Grundwasser ist so verseucht, dass Bauern sich fürchten, Gemüse anzubauen.

Zudem verbraucht die Modeindustrie gewaltige Mengen an Ressourcen: Wasser, Chemikalien und Energie. Der Baumwollanbau für ein einziges T-Shirt verschlingt zum Beispiel bis zu 2000 Liter Wasser. Polyester wird aus Erdöl hergestellt.

Die Infografik dokumentiert den jährlich steigenden Bedarf an Textilfasern und einige unmittelbare Resultate dieses Verbrauchs.

Nicht nur der Herstellungsprozess hat verheerende ökologische Folgen, auch die Nutzung der Kleidung selbst. Die Waschmaschine und der Trockner verbrauchen Energie und da Mode zu Wegwerfware geworden ist, landen immer mehr Anziehsachen auf Mülldeponien oder Verbrennungsanlagen.

Das aktuelle Konzept der Modeindustrie ist kein zukunftsfähiges Konzept. Ein gemeinsamer Ansatz von Industrie, Regierungen und Konsumenten ist notwendig. Wir als Konsumenten können unseren Beitrag leisten: Weniger kaufen, nachhaltige Marken wählen, gebrauchte Kleidung kaufen, Kleidung länger tragen und reparieren. Nachhaltigkeit liegt im Trend – Grün steht jedem.

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