12 Fragen an: Dr. Lutz Kosack

Im aktuellen Printzipia-Gespräch: Dr. Lutz Kosack, Diplom-Ökogeologe und Initiator der ersten “essbaren Stadt” Deutschlands. Ein Projekt für urbane Landwirtschaft im öffentlichen Raum.

  1. Herr Kosack, für welches vorbildhaft ökologische, sinnvolle und/oder nachhaltige Projekt stehen Sie?
    Als Mitarbeiter der Stadtverwaltung Andernach hatten wir 2010 begonnen die öffentlichen Grünlagen umzugestalten und die „Essbare Stadt Andernach“ ist entstanden – nun heißt es in öffentlichen Grünanlagen nicht mehr „Betreten verboten“ sondern „Pflücken erlaubt“.
  1. Was ist dabei Ihre Rolle?
    In den letzten 10 Jahren steuerte ich dieses Projekt federführend und baute es mit einem Mitarbeiterstamm der Stadtverwaltung und der Perspektive, der örtlichen Langzeitarbeitslosen Beschäftigung- und Qualifizierungsgesellschaft, aus – auch entstand eine Permakultur und ein historischer Garten. Die Stadt wird zunehmend grüner und lebenswerter. Im Sommer 2020 habe ich die Stadtverwaltung Andernach allerdings nach fast 20 Jahren verlassen und eine Stelle an der Universität Bonn angetreten, wo ich im Rahmen der Lehrtätigkeit im Bereich des Naturschutzes und der Botanik diese Ideen weiter im Auge habe.
  1. Wie kamen Sie zu dieser Initiative?
    2010 war das Jahr der Biodiversität und die Bundesregierung rief die Kommunen auf, vor Ort sich für Vielfalt zu engagieren. Wir entschieden uns für die Agro-Biodiversität, die Nutzpflanzen, um so einen direkten Bezug zwischen Pflanzen und Mensch herzustellen – um Biodiversität auf diese Art und Weise zu „begreifen“ – im wahrsten Sinne des Wortes.
  1. Welche Art von Unterstützung würden Sie sich wünschen?
    Bürgerschaftliches Engagement wird immer sehr hoch bewertet. Letztendlich ist es aber alles andere als selbstverständlich, dass Bürger sich für IHRE Stadt engagieren. Allzu oft werden die gezahlten Steuern etc. als Grund herangeführt, sich nicht weiter zu engagieren. Dabei wäre es so wichtig, wenn alle Bürger ihre Stadt gemeinsam mitgestalten.
  1. Was kann der Einzelne pro-aktiv tun, um Sie zu unterstützen?
    Viel – überall entstehen Urban-Gardening-Projekte und Bürger begrünen ihre Stadtteile und engagieren sich. Neben den sozialen Aspekten sind gerade aufgrund der vergangenen Dürrejahre auch zunehmend mikroklimatische Aspekte in den Mittelpunkt gerückt. So geht es nicht alleine um Nutzpflanzen, sondern bereits um das Wässern des „städtischen“ Baumes vor der eigenen Haustür.
  1. Was stört Sie – national wie global – an der gegenwärtigen Politik?
    Es wird zu kurz gedacht – ob Biodiversitäts- oder Klimakrise. Vielmehr ist es die Aufgabe auch an die kommenden Generationen zu denken und Nachhaltigkeit nicht in einer unübersehbaren Fülle an Vereinbarungen, Manifesten, Programmen und in Form von Absichtserklärungen festzuhalten und letztendlich den Absichten keine Taten folgen zu lassen. Was zu tun ist, ist nur zu gut bekannt.
  1. Und was finden Sie heute analog politisch gut?
    Vielleicht zu langsam – aber es bewegt sich was. Junge Leute machen sich bei Fridays for Future stark. Themen, wie z.B. Klima, Mobilität etc. sind inzwischen fast generationen- und parteiübergreifend „salonfähig“.
  1. Bezeichnen Sie sich als umweltbewusst? Und wenn ja, warum?
    Ja, würde ich schon sagen – wenn auch nicht dogmatisch. Ob es der Gebrauch von Bahn/Fahrrad oder das Einkaufen von Biolebensmittel ist – diese Verhaltensweisen halte ich für wichtig. Letztendlich wäre es auch schwer umweltschonendes Verhalten in der Stadt Andernach von den Bürgern oder an der Universität Bonn von den Studierenden zu fordern und selber diese „Spielregeln“ zu ignorieren.
  1. Was lässt Lutz Kosack so richtig aus der Haut fahren?
    Unaufrichtigkeit und Lippenbekenntnisse ohne Taten.
  1. Wo war Ihr letzter Urlaub … und wie war’s?
    Nicht nur Corona-bedingt eine Woche in Unterfranken am Main. Das Glück kann so nahe sein – wunderschöne Flora, weite Wanderungen, viel Ruhe und fränkischer Wein – da wird Mallorca kaum vermisst.
  1. Stellen Sie sich vor eine gute Fee beträte den Raum. Sie hätten einen Wunsch frei, welcher wäre das?
    Sie sollte dafür sorgen, dass Eintracht Frankfurt in der Bundesliga einen Champions-League –Platz erreicht – den Rest sollen die Menschen gefälligst selber machen, denn sie haben die Probleme geschaffen, sie können sie begreifen und auch lösen. Dies sind wertvolle Prozesse, die auch ohne Feen gelingen müssen.
  1. Frage: Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie mit uns teilen möchten?
    An dieser Stelle möchte ich mich voll und ganz Goethe anschließen: „Was immer du tun kannst oder träumst es tun zu können, fang damit an! Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich!“

 

Herr Dr. Kosack, Danke dass sie dabei waren bei „12 Fragen an“.

 

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