12 Fragen an: Cornelia und Andreas Diesenreiter

Im aktuellen Printzipia-Gespräch: Das Gründer-Duo und Geschwisterpaar von Unverwendet, ein Unternehmen, das gerettete Lebensmittel zu Feinkost und Geschenken umwandelt.

(1) Frau und Herr Diesenreiter, für welches vorbildhaft ökologische, sinnvolle und/oder nachhaltige Projekt stehen Sie?

Andreas: Unverschwendet – Gutes aus Gerettetem. Jedes Jahr landen allein in Österreich über eine Million Tonnen genießbarer Lebensmittel im Müll – rund ein Drittel davon schon ganz am Anfang: auf Feldern, in Produktionsstätten, noch bevor sie überhaupt eine Chance hatten. Genau hier setzen wir an.

Hinter jedem Rohstoff stehen wertvolle Ressourcen: Wasser, Boden und Vielfalt. Unsere Mission ist es, sie nicht ungenutzt zu lassen, sondern in den Kreislauf zurückzubringen– genussvoll, sinnvoll und nachhaltig. Wir glauben an eine Zukunft, in der Überschüsse als Chance gesehen werden – und daran arbeiten wir Tag für Tag. Mit innovativen Lösungen gegen Lebensmittelverschwendung. Mit Haltung. Und mit viel Hingabe.

(2) Was ist dabei Ihre Rolle?

Andreas: Wir sind Geschwister und die Gründer:innen und Geschäftsführung von Unverschwendet.

(3) Wie kamen Sie zu dieser Initiative?

Cornelia: Gestartet hat alles während meiner Ausbildung, als ich während meines Studiums „Design and Innovation for Sustainability” in England das Konzept „Zero Waste” kennenlernte und im Zuge dessen eine Restmüllanalyse durchführte. Die Analyse war ein „Augenöffner” für mich und ebnete den Weg für Unverschwendet. Zurück in Österreich musste ich nämlich feststellen, dass es im Bereich der Lebensmittelabfallvermeidung keine Jobs gab und so entschloss ich mich, gemeinsam mit meinem Bruder ein Unternehmen zu gründen mit dem Ziel, so viel Obst und Gemüse wie möglich zu retten. Im Jahr 2015 haben wir unsere Idee in die Tat umgesetzt, vorerst aber nur als Verein, ab 2016 als Unternehmen.

Mittlerweile ist Unverschwendet ein Unternehmen, das in drei Bereichen der Lebensmittelrettung aktiv ist: Unverschwendet Feinkost, Rettenswert in Kooperation mit HOFER und Kostbar Markt – Lebensmittelweitergabe an soziale Einrichtungen im Auftrag des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK). Mit einem großartigen Team aus 23 Menschen retten wir regionale Lebensmittel aus Österreich. Unser Herzstück, der Marktstand am Schwendermarkt, wo unsere Reise begann, befindet sich in Wien. Unsere Büros, Lager und Produktionspartner:innen sind mittlerweile in ganz Österreich. Unseren zweiten Marktstand am Naschmarkt haben wir im Herbst 2025 eröffnet.

(4) Welche Art von Unterstützung würden Sie sich wünschen?

Cornelia: Wir sind immer auf der Suche nach spannenden Rohstoffen, Überschüssen und Partnerschaften im Bereich der Lebensmittelrettung und -verarbeitung.

(5) Was kann der Einzelne pro-aktiv tun, um Sie zu unterstützen?

Cornelia: Jede:r kann Unverschwendet unterstützen, indem er oder sie Lebensmittel bewusst wertschätzt – realistisch plant, richtig lagert und auch „nicht perfektes“ Obst und Gemüse kauft. Mit dem Kauf oder Verschenken unserer Produkte hilft man direkt, überschüssige Lebensmittel zu retten und nachhaltige Alternativen sichtbar zu machen. Wer unsere Botschaft teilt, sei es im Freundeskreis oder in sozialen Medien, wird so zur:zum Multiplikator:in und schafft mehr Aufmerksamkeit für das Thema. Auch kleine Empfehlungen oder das Herstellen von Kontakten zu Betrieben und Events können viel bewirken. Und nicht zuletzt: Kreativ mit Resten kochen und zeigen, dass Nachhaltigkeit und Genuss zusammengehören, ist die schönste Form, selbst aktiv zu werden.

(6) Was stört Sie – national wie global – an der gegenwärtigen Politik?

Andreas und Cornelia: Was uns aktuell national wie global beschäftigt, ist, dass Nachhaltigkeit in Krisenzeiten immer wieder als nachrangiges Thema behandelt wird. Die vergangenen Jahre waren geprägt von enormen Herausforderungen – Pandemie, Krieg, Energie- und Teuerungskrisen – und es ist nachvollziehbar, dass politische Aufmerksamkeit und Ressourcen stark gebunden sind. Gleichzeitig zeigt sich genau in solchen Zeiten, wie wichtig resiliente Systeme, verantwortungsvoller Umgang mit Ressourcen und langfristiges Denken wären. Nachhaltigkeit wird jedoch noch zu oft als „Luxusproblem“ verstanden, statt als integraler Bestandteil von Krisenfestigkeit, Versorgungssicherheit und sozialer Stabilität.

(7) Und was finden Sie heute analog politisch gut?

Andreas und Cornelia: Positiv sehen wir, dass Nachhaltigkeit zunehmend strukturell gedacht wird, z.B. durch Verankerung von Nachhaltigkeitszielen bei konkreten Förderinstrumenten. Dort, wo Politik nicht nur Ziele formuliert, sondern Umsetzung ermöglicht und innovative Modelle in die Breite bringt, entsteht echte Wirkung. Besonders wichtig finden wir Ansätze, die Kreislaufwirtschaft, Versorgungssicherheit und soziale Wirkung zusammendenken – also Nachhaltigkeit nicht als Verzicht, sondern als Zukunftsfähigkeit verstehen.

(8) Bezeichnen Sie sich als umweltbewusst? Und wenn ja, warum?

Andreas: Ja, wir würden uns als umweltbewusst bezeichnen – aber nicht, weil wir perfekt alles richtig machen, sondern weil wir versuchen, bewusst mit unseren Ressourcen umzugehen. Lebensmittelverschwendung liegt uns besonders am Herzen, deshalb retten wir, was viele schon wegwerfen würden, und verarbeiten es zu hochwertigen Produkten. Für uns bedeutet Umweltbewusstsein vor allem, bewusst zu konsumieren, kleine Hebel im Alltag zu nutzen und andere zu inspirieren, es uns gleichzutun. Es ist ein kontinuierlicher Prozess, bei dem Genuss und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen – und genau das wollen wir mit Unverschwendet zeigen.

(9) Was lässt sie beide so richtig aus der Haut fahren?

Cornelia: Am meisten ärgert uns, wenn Ressourcen verschwendet werden – sei es Lebensmittel, Zeit oder Energie. Gleichzeitig motiviert uns genau diese Frustration, Lösungen zu entwickeln, die praktisch, nachhaltig und einfach umsetzbar sind. Wir glauben daran, dass es immer einen achtsameren, klügeren Weg gibt.

(10) Wo war Ihr letzter Urlaub … und wie war’s?

Andreas: Unser letzter Urlaub war bei unseren Eltern in Oberösterreich über die Weihnachtszeit. Perfekt zum Natur aufsaugen und Kraft tanken.

(11) Stellen Sie sich vor eine gute Fee beträte den Raum. Sie hätten einen Wunsch frei, welcher wäre das?

Cornelia: Wir würden uns wünschen, dass die Wertschätzung für Lebensmittel und Ressourcen bei allen Menschen ganz selbstverständlich wird. Dass niemand mehr denkt, dass Reste oder „unperfekte” Produkte weniger wert sind. Klar, ein bisschen Magie für weniger Bürokratie und mehr Zeit für kreative Ideen würden wir uns auch nicht entgehen lassen – aber am wichtigsten ist: Respekt vor Lebensmitteln und unserem Planeten.

(12) Frage: Haben Sie ein Lebensmotto, das Sie mit uns teilen möchten?

Cornelia: Better done, than perfect.

Andreas und Cornelia Diesenreiter, vielen Dank, dass Sie dabei waren bei „12 Fragen an“.

Sind Sie auch ein Nachhaltigkeits-Initiator, ein/e echte/r Macher/in aus Leidenschaft? Oder kennen Sie eine oder einen? Dann mailen Sie uns für eine mögliche Mitwirkung an „12 Fragen an …”. Senden Sie dazu einfach eine eMail an info@printzipia.de.

Wir freuen uns auf Sie.

Bildurheber: Dorothea Neubacher

Teilen macht Freu(n)de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert