Dez 04

Den Deutschen ist das Wassersparen indoktriniert. Wasserhahn beim Zähneputzen ausstellen, Regentonnen aufstellen. Wegen der Dürre in Afrika und der Umwelt und den hohen Wasserpreisen. Diese Ansichten werden heute von vielen Spezialisten komplett zurückgewiesen und teilweise sogar als kontraproduktiv gesehen.

Die Toilettenspülung besitzt eine Spartaste, im Hotel wirft man sein Handtuch nicht nach jedem Duschgang auf den Boden und beim Duschen achtet man auf die Zeit. Wasser ist ein kostbares Gut mit dem sorgsam umgegangen werden muss. Auch in der EU wird im Gros diese Meinung vertreten. Hausbesitzer und Vermieter sollen bis 2014 gewisse Standards, wie zum Beispiel Wassersparende Duschköpfe, umsetzen müssen. Wasser ist wertvoll, wir müssen Wasser sparen. Das wird uns seit unserer Kindheit vermittelt. Zurecht? Spezialisten gehen sogar soweit zu sagen, dass die Sparwut der Deutschen der Umwelt eher schade als nütze.

Wasser ist da – in rauen Mengen

Kaum ein anderes Industrieland verbraucht so wenig Wasser pro Kopf wie wir. Die Deutschen verbrauchen täglich fünfundzwanzig Liter weniger Wasser als noch vor zwei Jahrzehnten. Obwohl wir doch einen regelrechten Überfluss an Wasser haben.

Das unschöne Resultat: Die Leitungen, die für mehr Wasserverbrauch ausgelegt sind, werden nicht mehr ordentlich durchgespült. Die Folgen: Im stehenden Wasser bilden sich Keime und die Rohre korrodieren schneller. Da auch weniger sauberes Wasser in die Kanalisation gelangt bildet sich dort übler Geruch und Schwefelsäure. Würde mehr Wasser durch den Kanal fließen, würde das Schutzwasser besser abtransportiert werden. Durch zu wenige Entnahmen aus dem Grundwasser steigt in manchen Städten sogar dessen Pegel und setzt Keller unter Wasser. Es ist also teilweise sogar gesund, mehr Wasser im Abfluss verschwinden zu lassen.

„Aber – aber – aber…“

„… aber in Afrika haben sie doch kaum Wasser, während wir stundenlang duschen.“ Irgendwie haben wir ein schlechtes Gewissen wenn wir viel Wasser verbrauchen. Natürlich können wir uns für unsere Wasserversorgung glücklich schätzen. Es ist leider Fakt, dass es praktisch nicht möglich ist, Wasser von einem Kontinent zum nächsten zu transportieren. Selbst wenn wir hier streng rationieren, das bringt der Dürre in Afrika also rein gar nichts.

Eine harte Wahrheit: Regentonnen sind nutzlos

Wir meinen es ja nur gut. Trotzdem: Die Regenrinne und Regentonne, die gefühlt mindestens jeder zweite Deutsche im Garten stehen hat, ist, so hart das klingt, im Grunde sinnlos und für die Natur komplett irrelevant. Ob wir nun Regenwasser aus der Tonne verwenden oder Grundwasser, was letztendlich auch nur versickertes Regenwasser ist, macht keinen Unterschied. Gerade der Bau von Regenzisternen bringt der Umwelt rein gar nichts, verbraucht aber Rohstoffe und Energie. So gesehen ist die Energiebilanz der Zisternen sogar negativ.

Wasser sparen spart leider kein Geld

Nun spart man ja nicht nur aus Liebe zur Umwelt Wasser, sondern auch für den Geldbeutel. Zwei Drittel unserer Wasserkosten sind Fixkosten. Für die Infrastruktur, für das Personal, für die Aufbereitung. Wird weniger Wasser verbraucht, bleiben diese Kosten, zusätzlich holen sich Wasserversorger dann aber über einen teuren Kubikmeterpreis den Verlust wieder rein. Die Leute sparen dann noch mehr teures Wasser, die Versorger gleichen die fehlenden Einnahmen wieder durch Preiserhöhungen aus. Ein Teufelskreis, der letztlich bedeutet: Wasser sparen kann die Wasserpreise erhöhen.

Bilanz: Deutsches Wasser geht nicht aus

Deutschland stehen jährlich circa 190 Milliarden Kubikmeter Wasser zur Verfügung. Das meiste versickert als Grundwasser gleich wieder im Boden. Nicht einmal drei Prozent dieses Wassers nutzen unsere Haushalte. Danach fließt das genutzte Wasser mit Zwischenstopp in der Kläranlage wieder in den natürlichen Wasserkreislauf zurück. Wo ist da die Verschwendung?

Achtung, Meinung: Beim Thema Wasser Sparen geht es nicht nur um ökonomische Aspekte und scheinbar logisches oder unlogisches Verhalten, sondern um eine Grundeinstellung zum Leben und unserer Umwelt. Auch wenn „Wasser Sparen“ wie in dem hier zitierten Zeit-Artikel keine ökonomische Notwengigkeit hat: wenn eine Bevölkerung zu Achtsamkeit und sorgsamem Umgang mit Ressourcen angehalten wird, so hat das auch viele andere sinnvolle Implikationen. Einfach mal drüber nachdenken.

Ergo: Eine sehr gewagte These. Widerspricht allem, was wir so gelernt haben als Kinder. Bilden Sie sich Ihre eigene Meinung.

Hier der Link zum Artikel aus der Zeit.

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